Das Problem mit den WebApps

Es könnte alles so schön sein: Man muss sich nicht mehr um Updates kümmern, hat seine Daten und Dokumente online verfügbar und kann von jedem Rechner mit Online-Zugang arbeiten – in der Theorie sogar unabhängig von der Wahl des Browsers und des Betriebssystems. Aber in der Praxis macht einem dann manchmal die Technik einen Strich durch die Rechnung…

Der aktuelle Bericht von The Register über einen einstündigen Ausfall von Googles Online-Applikationen wie Google Docs und Google Spreadsheet zumindest für einen Teil auch zahlender Nutzer ist nur das letzte Beispiel in einer ganzen Reihe von Ausfällen bei Branchengrößen wie Google, Amazon und Co. im WebApp-Business.

Dabei sollte man annehmen, dass zumindest diese Anbieter über die entsprechenden Ressourcen verfügen, um Systeme mehrfach abzusichern und bei Bedarf rasch auf ein Ersatzsystem umzuschalten. Doch wenn hier schon Probleme auftauchen, wie (un)zuverlässig sind dann möglicherweise kleinere Anbieter? Service Level Adreements (SLA), die gegebenenfalls bestimmte Verfügbarkeitsvorgaben machen und bei Nichteinhaltung Rückzahlungen oder sogar Schadensersatzleistungen vorsehen, sind im Fall des Falles auch nur ein schwacher Trost – zumal, wenn einem Termine im Nacken sitzen oder der Vortragende bedauern muss, dass die einzige aktuelle Version seiner Präsentation leider nur online existiert und der Zugriff darauf momentan leider gestört ist.

Ganz ohne eigene Software-Installationen, lokale Backups und Plan B wird es also auch in absehbarer Zeit nicht gehen…

Sind Voicemail und Sprachnachrichten tödlich ineffektiv?

Michael Arrington schreibt auf Techcrunch in Think Before You Voicemail den Tod von Anrufbeantwortern und Voicemail herbei … frei nach dem Motto: “Schreiben Sie mir eine Mail wenn Sie mich nicht telefonisch erreichen, meine Sprachnachrichten höre ich nur sporadisch und ungern ab.” Aber trifft das die Realität?

Klar, jeder kennt die Probleme: Um den Anrufbeantworter oder die Voicemail abzurufen, muss man sich durch irgendwelche Menüs hangeln, sich # – 5 – 8 – 6 – 6 – 6 – 1 – * merken, dann ist die Nachricht kaum verständlich, man soll eine Nummer zurückrufen, die man so schnell gar nicht notieren kann … und überhaupt schreibt dieser blöde Stift wieder nicht. Und außerdem, warum kann der Typ nicht einfach eine E-Mail schreiben?

Also als Anrufbeantworterspruch: “Sorry, ich bin nicht erreichtbar. Vergessen Sie es, eine Nachricht zu hinterlassen, wenn Sie ein echtes Anliegen haben. Schreiben Sie mir stattdessen eine Mail an …”

Scheint ja auch praktisch: Ich kann Mails schneller lesen und bearbeiten, als ich Sprachnachrichten abhören kann (sofern ich mich daran erinnere, wie es geht). Wenn ich Mails bearbeite, habe ich zudem gleich alle meine Unterlagen parat. Und so trickse ich dann gleich auch noch die leidigen Telefonspammer und Anrufe von Sprachcomputern aus.

Dummerweise ist es aber nicht so einfach. Das erste Problem: Nicht jeder, der mich anruft, hat auch meine E-Mail-Adresse. Und selbst wenn ich sie mit aufspreche, werden sich diese nicht alle fehlerfrei merken. Während ich mir eine Sprachnachricht wenigstens noch mehrmals vorspielen lassen kann, wenn ich etwas nicht verstanden habe oder es zu schnell ging, hat der Anrufer bei der Ansage nur eine Chance – oder er muss erneut anrufen, um sie noch einmal zu hören.

Viel gravierender aber ist, dass ich mein Gegenüber so zum Medienbruch zwinge: Während ich Mails ein wenig schneller bearbeiten kann, muss der Anrufer mühsam zu seinem Mailprogramm wechseln, evtl. erst seinen Computer hochfahren, um dann die Nachricht “Ruf mich mal zurück. Peter” an die richtige Mailadresse zu versenden. Scheint in der Summe des Vorgangs nicht besonders effizient, oder?

Und was ist mit Leuten, die von unterwegs anrufen? Klar, es gibt die Möglichkeit, SMS (teuer) oder E-Mail (kompliziert) auch von vielen Handys zu versenden. Aber wird das in so einem Fall wirklich jemand machen? Und es soll ja auch noch Teile der Bevölkerung geben, die Internet und E-Mail gar nicht nutzen … was ist mit denen?

Voicemail scheint demnach doch nicht ganz so tot zu sein, wie Michael Arrington suggeriert. In manchen Kreisen übernehmen E-Mail, IM usw. langsam Teile der Funktion des Anrufbeantworters – aber längst nicht überall. Mein Telefonsystem sendet mir eingehende Sprachnachrichten und Faxe eh per E-Mail zu. Gut, die Sprachnachrichten sind noch Audio-Dateien, aber an Speech-to-Text-Lösungen für dieses Szenario wird schon eifrig gearbeitet.

Große Freiheit oder großer Frust: zukünftig beliebige Toplevel-Domains möglich

Kürzlich hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) eine Entscheidung verkündet, wonach künftig Top-Level-Domainnamen (TLD) frei wählbar sein sollen. Endlich wird es dann nicht mehr nur .berlin, .shop oder auch .colacola geben können – schöne neue Namensfreiheit … oder doch nicht?

Abgesehen davon, dass ich mich frage, ob künftig jedes Klein-Kleckersdorf seine eigene TLD benötigt: Die nun verkündige Entscheidung kann absurde Auswirkungen haben.

“Sie finden uns unter mydomain dot com!” – “‘Tschuldigung, wie schreibt man das?” – “Ganz einfach: dot wie Punkt und Com: K-O-M-M…”

Heute kann man sich sich TLD zumeist noch zusammenreimen … demnächst wird die Frage der Memorierbarkeit möglicherweise wieder stärkere Bedeutung zugemessen: Kann sich der durchschnittliche Nutzer Domainnamen und TLD merken und fehlerfrei schreiben?

Und was ist eigentlich dann die sinnvollste TLD für eine Metropole wie Wien? .wien oder doch lieber .vienna?

Noch spannender wird es wohl werden für Markeninhaber. Müssen die sich dann alle möglichen Kombinationen mit “denkbaren” neuen TLDs registrieren, um sich vor Domaingrabbern zu schützen? Oder wird man Domains nur noch registrieren können, wenn man nachweisen kann, dass man Marken- oder Rechtsinhaber ist? Das wird dann auf jeden Fall lustig, wenn sich global tätige Unternehmen ihre Markennamen in allen neuen TLDs sichern wollen/müssen. Nicht auszudenken, wenn adidas.vienna oder apple.london nicht dahin führen, wohin sich die Nutzer das vorstellen.

Und endlich gibt es dann auch wieder neue Möglichkeiten für lustige Attacken auf Bankkunden: “Bitte aktualisieren Sie Ihre Daten auf www.deutschebank.frankfurt … pardon: www.frankfurt.deutschebank … ach nein … www.deutschebank.bank … oder doch www.deutsche.bank!” Irgendwas wird schon temporär zu bekommen sein. Oder sollte man gleich die TLD .banking beantragen?

Da fällt es schon gar nicht mehr ins Gewicht, dass die automatische Erkennung von URLs und Mailadressen mit jeder neuen TLD schwieriger wird. Und bis heute hat man bei einigen Formularen Schwierigkeiten, wenn man eine E-Mail-Adresse auf einer .info-Domain angeben will – manches Formular geht nämlich noch immer davon aus, dass TLDs maximal drei Stellen haben. Da wird es mit bis zu 64 (oder mehr) möglichen Zeichen richtig lustig.

Aber vielleicht werden sich einfach die Internet-Nutzer weigern und die neuen TLDs dümpeln irgendwann dahin und werden kaum genutzt? Warten wir ab!