Deutschlands Manager und die lästigen Kunden

Stern.de berichtet über eine Umfrage, die die international tätige Gummersbacher Unternehmensberatung Kienbaum unter Führungskräften aus zehn Ländern durchgeführt hat. Demnach ist das Kundenbewusstsein bei Deutschlands Managern ziemlich unterentwickelt:

“Für die deutschen Führungskräfte steht die konzeptionelle Arbeit an erster Stelle: Über die Hälfte (63 Prozent) räumen dieser Aufgabe eine hohe Priorität ein – bei den ausländischen Managern sind es nur 39 Prozent. Der Kundenkontakt fällt bei der Hälfte der deutschen Manager weg: nur 50 Prozent sehen dies als ihre Kernaufgabe an. Zwei Drittel ihrer internationalen Kollegen sehen das ganz anders: für sie sind Kundenkontakt und Kundenbindung die zentralen Managementaufgaben. Darüber ergab die Studie, dass insgesamt weniger als ein Drittel aller Führungskräfte mit ihrem Zeitmanagement zufrieden ist.”

Arme Kunden, arme Manager!!!

Rise and Fall von Intershop

Ich erinnere mich noch an Pressekonferenzen, z.B. anlässlich der CeBIT vor ein paar Jahren, da gab sich Stephan Schambach überzeugt, dass nichts und niemand die Aufstieg von Intershop aufhalten könne. Man sah sich schon auf dem besten Wege, ein zweites SAP zu werden … wenn auch in einem anderen Bereich. Mittlerweile ist von den früheren Visionen nicht mehr viel übrig: Die Umsätze brechen weg, rote Zahlen sind an der Tagesordnung und auch Restrukturierung und Verschlankung haben offenbar wenig gebracht. Im ersten Quartal 2003 machten dien Jenaer nun 6,2 Mio. Euro Umsatz (vor einem Jahr waren das noch 12,2 Mio. und damit fast doppelt so viel). Für die Investoren aber weitaus problematischer: in den ersten drei Monaten des Jahres ergab sich ein Netto-Verlust von 8,4 Mio. Euro … weit entfernt von ausgeglichenen Bilanzen. Doch bei Intershop weiss man auch, woran es liegt: Die “schwierige konjunkturelle und branchenspezifische Situation” ist Schuld – die IT-Budgets sind zu gering! Dass eine Intershop-Lösung nicht gerade billig ist und sich für die Kunden auch immer stärker die Frage nach dem Sinn und vor allem der Amortisation solcher Investitionen stellt, das hört man in Jena weniger gern.

BlogTalk: Pressegespräch in Wien (Update)

Pressegespräch zu Weblogs und BlogTalk in WienPresse-Informationsveranstaltung im Österreichischen Journalisten Club rund um BlogTalk: Sichtlich von Grippe gezeichnet bemühte sich Thomas Burg, einer Handvoll anwesender Pressevertreter das Thema “Weblogs” und die Konferenz vom 23. bis 24. Mai in Wien nahezubringen. Die Veranstaltung stand unter dem Titel “Weblogs – Internet-Hype oder Killer-Applikation” und lieferte zunächst eine allgemeine Beschreibung des Phänomens und der Anatomie typischer Weblogs. Da der WLAN-Zugang nicht funktionierte, mussten sich die Zuhörer allerdings mit ein paar Screenshots und Aufzählungen begnügen… Interessanter der Part zu BlogTalk. Thomas Burg stellte die Struktur der Konferenz dar und gab einen Ausblick auf die Vorträge einzelner Sprecher und Keynoter. Die zweitägige Veranstaltung gliedert sich in sechs Panels, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Phänomens Weblog beleuchten sollen:

  1. Wissensmanagement im Blog, Wissensmanagement in der Vielzahl der Blogs
  2. regionale Aspekte des Bloggens: Polen, Spanien, Iran
  3. Weblogs in Aus- und Weiterbildung sowie Unternehmen
  4. Journalismus & Gesellschaft
  5. Case-Studies (Non-Profit, Edu)
  6. Diverses (“Was sonst nirgends einzuordnen war…”)

In diesem Zusammenhang war dann auch nicht mehr von einer europäischen Konferenz die Rede, sondern vielmehr von einer internationalen Veranstaltung. Sprecher kommen unter anderem aus den USA, Kanada/Iran*, Niederlande/Russland*, Rumänien, Polen, Spanien, Italien, Deutschland und Österreich.

Thomas N. Burg zu BlogTalkBislang haben sich ca. 65 Teilnehmer registriert, zumeist Privatleute – von der Marke 200 ist man also noch weit entfernt. Das mag auch daran liegen, dass die Begriffe “Phänomen” und “Bestandsaufnahme” sich mittlerweile wie ein roter Faden durch das Programm ziehen. Die Veranstaltung verfolge einen “phänomenologischen Ansatz”, so Thomas Burg. Man wolle einen Überblick geben. Ein wenig fehlt wohl der klare Fokus: Die Konferenz ist es eben kein Treffen der Blogger-Gemeinde, Entwickler und Technik kommen fast gar nicht vor, die Business-Relevanz ist nur in einem Panel stärker vertreten … aber auch eine akademische Veranstaltung ist BlogTalk nicht wirklich. Die Frage nach der Zielgruppe der Veranstaltung beantwortet Thomas Burg dann auch eher ausweichend: Natürlich sei jeder willkommen – Blogger ebenso wie die, die noch gar nichts mit dem Begriff anzufangen wissen, Akademiker wie Praktiker, Privatpersonen wie Unternehmen…

Als ich vorab im Bekanntenkreis erwähnte, ich würde auf die Veranstaltung gehen, wurde ich zudem von F. gebeten, zu hinterfragen, warum einige jetzt doch eine Ausnahmeregelung bekommen und auf deutsch sprechen dürfen … hätte er das gewusst, hätte er auch ein Paper eingereicht. Die Ausnahme betrifft insbesondere Jörg Kantel, der als Keynote-Speaker den anwesenden Journalisten als Prototyp eines deutschen Bloggers angekündigt wurde. Er habe um eine Ausnahme gebeten, da sein Englisch zu dürftig sei. Ansonsten wird die Konferenzsprache fast durchgängig Englisch sein.

Interessant am Rande: Die Vorträge sollen (möglichst vorab, spätestens aber kurz nach der Konferenz) auch für Nicht-Teilnehmer online abrufbar sein. Auch eine schriftliche Konferenzdokumentation ist geplant. Zudem soll es einen Live-Stream der Veranstaltung geben … vielleicht gar nicht so schlecht, denn offenbar ist am gleichen Wochenende auch der Vienna Marathon und die Zahl der günstigen Hotelzimmer ist begrenzt.

Update:
Thomas N. Burg fühlte sich durch meinen Beitrag zu folgender “Replik” genötigt, die ich hier gerne für sich sprechen lasse:

Und in Replik an Markus Stolpmann: Der Fokus [von BlogTalk] ist klar festgelegt: es geht um eine Bestandsaufnahme des Phänomens Weblog. Der Terminus Fokus ist ja immer relativ zu verstehen. So kann ein Fokus mal größer mal kleiner sein, wahrscheinlich bräuchte man ein Fokometer um das genau zu bestimmen. Der Fokus* von BlogTalk ist somit ein vom Druchmesser größerer. Da möglichst viele Perspektiven “aggregiert” werden, hat klarerweise der Software-Bereich dieses Mal nur einen geringen Anteil. BlogTalk ist sicherlich die erste Weblog-Konferenz, die mit internationalem Anspruch sowohl am Podium und im Publikum abgehalten wird.

TOMORROW FOCUS: Inhaltsbezogene Online-Werbung dank Google

Wieder ein Erfolg für Google als Werbevermarkter: Das Münchner Medienunternehmen TOMORROW FOCUS hat mit der Suchmaschine eine Zusammenarbeit für die Einführung einer neuartigen Online-Werbeform vereinbart. Dabei werden automatisch generierte Text-Anzeigen auch in dem gesamten Online-Netzwerk des Münchner Medienunternehmens platziert und damit erstmals in Deutschland einem breiten Publikum präsentiert. Google erkennt die jeweils aktuellen Inhalte einer Webseite und schaltet dann automatisch themennahe Anzeigen auf dieser Seite. Dieser Service erweitert die Internet-Reichweite für die Werbetreibenden, bietet den Nutzern Anzeigen hoher Relevanz und stellt für Portal-Betreiber eine zusätzliche Möglichkeit zur Ertragssteigerung dar. Ab sofort werde das Google-Angebot auf den Online-Plattformen der TOMORROW FOCUS AG (u. a. focus.de, max.de, tvspielfilm.de) integriert. Pro Monat erreicht dieses Netzwerk über 10 Mio. Nutzer mit rund 700 Mio. Seitenabrufen.

Torsten Schwarz: E-Mail-Marketing – dmmv-Praxishandbuch

img/3933269636.03.MZZZZZZZ.jpg 177 Tipps für E-Mails, die ankommen

Gleich vorweg: Das Buch hat 190 Seiten und kostet 58 Euro. Für diesen Preis hätte der Hightext Verlag wenigstens in ein Hardcover mit haltbarer Fadenheftung investieren können, wenn schon auf lesefreundliches Layout verzichtet wurde.

Vom Aufbau her könnte das “Praxisbuch” ein nützliches Nachschlagewerk zu technischen und rechtlichen Fragen des Permission Marketing sein, allerdings fehlt ein Index (!). Die “177 Tipps”, die sich durch das Buch ziehen und die am Schluss noch mal zusammengefasst werden, ersetzen einen solchen keineswegs, denn manches kommt verstreut in verschiedenen Kapiteln vor und ist nur schwer wiederzufinden, wenn man sich die Stellen nicht notiert hat.

Und leider fehlen klare Aussagen dazu, wie “E-Mails, die ankommen”, getextet sein sollten; worauf man achten sollte, damit die versendeten Mails nicht in Spamfiltern landen; wie gute Landing Pages realisiert werden.

Das alles sind wesentliche Dinge im Permission Marketing, die allerdings nicht nur von diesem Autor vernachlässigt werden, sondern die in der deutschsprachigen Literatur zu Online-Marketing generell zu kurz kommen.

Wenn man das Fehlen dieser Aspekte akzeptieren kann, dann ist das Paperback eine brauchbare und aktuelle Zusammenfassung von Fakten und Ratschlägen rund um Permission Marketing, die oft nur verstreut oder in Studien “verborgen” zu finden sind. Wer die Literatur zu E-Mail-Marketing kennt und Branchennews regelmäßig verfolgt, wird allerdings nicht viel Neues erfahren.

Ein Überblick über die “177 Tipps” sowie das Inhaltsverzeichnis kann auf der Website von Torsten Schwarz heruntergeladen bzw. per E-Mail angefordert werden:

www.absolit.de/177tipps.htm

Einsteigern in das Direktmarketing per E-Mail empfehle ich, sich mit dem ersten Buch von Torsten Schwarz, Permission Marketing macht Kunden süchtig, 2. Aufl. 2001, in die Thematik einzuarbeiten, da wesentliche Strategiefragen dort ausführlicher abgehandelt werden.

Das “Praxishandbuch” ist bei Amazon lieferbar.